Unterschiede bei der Allergenkennzeichnung: Europäische Union, Vereinigte Staaten und Kanada – Ein praxisorientierter Überblick für die Lebensmittelbranche
Ist Ihnen aufgefallen, wie sich die Kennzeichnung von Lebensmitteln je nach Markt verändert?
Listen der Hauptallergene – Anzahl und Umfang
– Vereinigte Staaten: Der Food Allergen Labeling and Consumer Protection Act aus dem Jahr 2004 und der Food Allergy Safety, Treatment, Education, and Research Act aus dem Jahr 2021 führen 9 Hauptallergene auf: Milch, Eier, Fisch, Krebstiere, Schalenfrüchte, Erdnüsse, Weizen, Sojabohnen und Sesam. Gluten bezieht sich ausschließlich auf Weizen; Quellen wie Gerste oder Roggen sind nicht erfasst.
– Kanada: Die Food and Drug Regulations und die Safe Food for Canadians Regulations bestimmen etwa 11 prioritäre Allergene: Eier, Milch, Senf, Erdnüsse, Krebstiere und Weichtiere, Fisch, Sesam, Soja, Sulfite, Schalenfrüchte und Weizen. Glutenquellen (Gerste, Roggen und Hafer) werden ebenfalls erfasst. Die Kennzeichnung muss zweisprachig (Englisch und Französisch) erfolgen.
– Europäische Union: Die Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel definiert 14 Allergene: glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste und Hafer), Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Sojabohnen, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie, Senf, Sesamsamen, Schwefeldioxid und Sulfite, Lupinen und Weichtiere.
Wesentlicher Unterschied: Die Europäische Union verwendet die umfangreichste Liste, während die Vereinigten Staaten ihre Anforderungen auf die häufigsten Allergene beschränken.
Angabe „Enthält“ – Pflicht oder Option?
– Vereinigte Staaten: Für vorhandene Hauptallergene verpflichtend (z. B. „Enthält: Milch“). Das Risiko einer Kreuzkontamination wird dadurch nicht abgedeckt.
– Kanada: Für prioritäre Allergene und Glutenquellen vorgeschrieben (z. B. „Enthält: Gerste, Milch / Contient: orge, lait“). Die Angabe muss stets zweisprachig erfolgen.
– Europäische Union: Es gibt keine separate Angabe – Allergene müssen innerhalb der Zutatenliste hervorgehoben werden, beispielsweise durch Fettdruck.
Wesentlicher Unterschied: Die USA und Kanada verwenden eine separate Angabe, während die EU die Information in die Zutatenliste integriert.
„Kann enthalten“ – Vorsorgliche Allergenkennzeichnung (PAL)
– Vereinigte Staaten: Freiwillig und für das Risiko einer Kreuzkontamination mit Hauptallergenen empfohlen (z. B. „Kann enthalten: Eier“). Gluten wird über Weizen hinaus nicht erfasst.
– Kanada: Freiwillig, aber für prioritäre Allergene und Gluten empfohlen (z. B. „Kann enthalten: Gerste / Peut contenir: orge“). Die Angabe muss zweisprachig sein und auf einer Risikobewertung beruhen.
– Europäische Union: Freiwillig, muss jedoch glaubwürdig sein. Häufig wird die Formulierung „Kann Spuren von … enthalten“ verwendet.
Unterschied: Kanada und die Europäische Union berücksichtigen in dieser Angabe Glutenquellen, während die Vereinigten Staaten sie auf Hauptallergene beschränken.
Weitere wichtige Aspekte
– Glutenfrei: Ein gemeinsamer Schwellenwert von weniger als 20 ppm Gluten, wobei die EU und Kanada gegenüber Glutenquellen strengere Anforderungen stellen.
Für exportierende Unternehmen: Die Anpassung der Kennzeichnung ist entscheidend, um Rückrufe vom Markt zu vermeiden!